03.11.2019 Dresden WDSF

Saxonian Dance Classics 2019

Ein Erlebnis mit mehr oder weniger internationalem Flair

An den ersten drei Novembertagen des Jahres 2019 fanden die 10. Saxonian Dance Classics in Dresden statt – Ein kleines Jubiläum einer mittlerweile traditionellen Riesenveranstaltung.

Ein wenig enttäuschen mag aus internationaler Sicht, dass bei einigen Startfeldern von über 100 Paaren nicht einmal eine zweistellige Anzahl aus dem Ausland kam. Nicht ganz so dramatische Verhältnisse wie in Italien, wo mittlerweile pro WDSF-Turnier der Senioren III oder IV maximal ein ausländisches Paar gesichtet wird – aber halt auch keine gleichmäßig internationale Besetzung, wie man sie im Grundgedanken bei WDSF-Turnieren erwarten würde. Die German Open bleiben da eine rühmliche Ausnahme. Eigentlich schade, denn wie schon in den vergangenen Jahren legten die Ausrichter der Saxonian Dance Classics ein Meisterstück der Organisation hin, und die Durchführung der Turniere in einem imposanten Ambiente lief wie am Schnürchen. Das sollte zusammen mit den integrierten Weltmeisterschaften, Deutschen Meisterschaften und vielen weiteren Highlights doch eigentlich auch mehr ausländische Paare anlocken …

„Highlights“ über einem großzügigen und farbenfrohen Ambiente

Foto: Werner Schlamm-Dedekind

Wenigstens ließ sich unsere Trainingsgemeinschaft vom TSC in Hannover nicht lumpen und stellte insgesamt mehr als ein halbes Dutzend teilnehmender Paare in den drei Standard-Weltranglistenturnieren der Senioren am Sonntag – eine starke Truppe, die durch Dick und Dünn zusammenhielt.

Am Sonntag ging es für viele Paare schon früh am Morgen mit dem Eintanzen los. Unsere Paare hatten sich jeweils eine Ecke des Saales ausgesucht, um sich von dort aus in das Gewimmel auf der Fläche zu stürzen. Keine Frage – das Eintanzen glich dem berüchtigten „Hauen und Stechen“.

Senioren II

Und dann begann auch schon die Vorrunde der Senioren II. Mit von der Partie vier Paare aus unserer Trainingsgemeinschaft: Ulf und Doris Nagel, Philipp Vana und Corina Städtler, und für den TSC startend: Mario Müller-Frahm und Michaela Frahm, sowie als „Gäste“ aus der Sen III Helmut Bresch und Angelika Nothdurft.

Mario und Michi: Es kann losgehen!

12 Paare waren jeweils gleichzeitig auf der Fläche, und der Saal schien für manche von Tanz zu Tanz kleiner zu werden. Nach der Vorrunde war dann Warten und Hoffen angesagt.

Für Mario und Michi warf das Erreichen der nächsten Runde keinerlei Probleme auf – sie schafften das mit 43 von 45 möglichen Kreuzchen.

Pause zwischen den Runden

Fotos: Klara Frahm

Auch Corina und Philipp waren mit 39 Kreuzchen ganz klar in der nächsten Runde mit dabei.

Ladies in red: Corina und Michi

Foto: Mario Müller-Frahm

Doris und Ulf waren sich hingegen nicht so sicher, ob sie die zuletzt gezeigte Leistung  wiederholen konnten und sich für die nächste Runde qualifizieren würden. Aber ja! Sie schafften den Sprung in die nächste Runde ganz locker – mit 42 Kreuzchen.

Doris und Ulf freuen sich

Foto: privat

Mittels App auf dem Handy informierte sich Ulf über die Rundenauslosung der 1. Zwischenrunde. Runter mit der Frackjacke, Ruhepause im Nachbarsaal und nach 20 Minuten zurück zur Wettkampffläche. Beim Anziehen des Fracks dann der Schock: Die Startnummer war nicht mehr dran! Hektisch wurde gesucht, aber die Nummer war zunächst nirgends zu finden. Durch Zufall erspähte Ulf dann einen weißen Zipfel in einer benachbarten Sporttasche, öffnete diese und entdeckte … seine Startnummer! Ein ausgeschiedener Mittänzer hatte die Jacken verwechselt und versehentlich die falsche Startnummer abgemacht. Blitzgeschwind hieß es diese wieder anbringen und sich ins Getümmel der zweiten Runde stürzen.

Zwischen den Tänzen gab es aufbauende Tipps von Astrid und Marion, und so waren Doris und Ulf am Ende der zweiten Runde recht zufrieden, wagten aber nicht ans Weiterkommen zu denken. Als dann das Handy erneut vibrierte, glaubten die zwei nicht, was sie sahen. Sie hatten es ebenso wie Mario und Michi geschafft, sich für die 49er-Runde zu qualifizieren – und auch Corina und Philipp waren noch dabei. Gemeinsam wurde in der Hannoveraner Ecke gejubelt. Mario und Michi hatten sogar 38 Kreuzchen für die nächste Runde erhalten.

So überzeugt man Wertungsrichter

Die dritte Runde empfanden Doris und Ulf dann nur noch als glückliche Zugabe, gewissermaßen als Kür. Hier tanzten sie ganz locker auf, konnten sich noch ein paar Kreuze holen und beendeten das Turnier mit Platz 45, einen Platz vor Corina und Philipp.

Für Mario und Michi wäre es fast noch eine Runde weiter gegangen, doch nach eigener Aussage von Mario missrieten ihm ein paar Phasen dieser Runde, und sogar Michi bestätigte, dass sie von seiner rhythmischen Interpretation im Quickstep, positiv ausgedrückt, etwas überrascht gewesen sei. So schrammten die Beiden wie so oft in letzter Zeit knapp an der nächsten Runde vorbei und landeten auf Platz 28. Aber auch das ist in einem so starken Feld wieder eine höchst sehenswerte Leistung!

Starke Präsentation

Fotos: Klara Frahm

Die beste Platzierung unter allen Niedersachsen holten sich wieder einmal Peter und Miriam Pfeiffer, die mit Bravour bis ins Finale vordrangen und dort den umjubelten 5. Platz belegten.

Immer mit vorne dabei: Miriam und Peter

Etwas unerwartet siegten in diesem Turnier die international noch nicht weithin bekannten Tschechen Miloslav Mareska und Lenka Mareskova vor Horst Droste und Claudia Kahl-Kaminsky (btc Grün-Gold der TG in Berlin) und Konstantin und Corina Maletz  (Alemana Puchheim), die in umgekehrter Reihenfolge die Plätze 2 und 3 bei der Deutschen Meisterschaft belegt hatten. Die amtierenden Deutschen Meister, Gert Faustmann und Alexandra Kley, hatten verletzungsbedingt im Dresdener Finale aufgeben müssen.

Die Finalisten der Senioren II in Dresden

 

Senioren III

Nicht so gut wie bei den Senioren II lief es für unsere Vertreter im riesigen Feld der 121 Paare, die im WDSF-Turnier der Senioren III antraten.

Angelika Nothdurft und Helmut Bresch

Andrea und Dietmar Wilstermann

Rainer und Astrid Quenzel

Fotos: Mario Müller-Frahm

Angelika und Helmut hätten beinahe den Sprung in die nächste Runde geschafft – dazu fehlten ihnen nur zwei Kreuzchen. Für Rainer und Astrid bedeutete das Erreichen der zweiten Runde keine Hürde. Die große Enttäuschung kam erst danach: Obwohl sie in der vorderen Hälfte des Feldes lagen, reichte die Kreuzchenzahl nicht ganz zur dritten Runde.

Sieger dieses Turniers wurden unter dem Riesenjubel der Niedersachsen Raymund und Antje Reimann, die damit zur Überraschung vieler erstmals die Deutschlandpokalsieger und Vizeweltmeister Thomas und Susanne Schmidt auf Platz 2 verweisen konnten.

Rot dominiert: Raymund und Antje

Foto: Marcel Erné (Archiv)

Senioren IV

Helmut Roland war als Video-Berichterstatter für die PD Division rund um die Uhr beschäftigt. Zwar hatte er ursprünglich geplant, zusammen mit Anne auch tänzerisch mitzuwirken, doch ihre neuerliche Verletzung verhinderte dies leider. So blieben Werner Schlamm-Dedekind und Marion Dedekind unsere einzigen Vertreter bei den Senioren IV.

Die erste Runde für die 41 Paare dieser Klasse begann am späten Vormittag. Marion und Werner erreichten sicher die zweite Runde, die diesmal von 26 Paaren bestritten wurde.

Marion und Werner im Viertelfinale

Mit Platz 22 im Endergebnis schafften sie beinahe den Cut in diesem hochklassigen Feld. Zufrieden mit ihrem Abschneiden genossen sie nach dem Turnier der Sen IV eine längere Pause, um schönes Tanzen anderer Paare zu verfolgen, bevor sie dann selbst noch einmal bei den Senioren III aus Spaß an der Freud mittanzten.

Freude am Tanzen

Sieger des Turniers der Senioren IV wurden die italienischen Routiniers Alessandro Barbone und Patrizia Flamini, die kürzlich in Almere sogar die Weltmeister Ceruti / Cappello geschlagen hatten. Direkt dahinter platzierten sich die Österreicher Manfred Kerschner und Monika Kügler, die sich in der Weltrangliste immer weiter nach vorne arbeiten und mittlerweile auch dort auf Platz 2 liegen! Eine kleine Überraschung aus deutscher Sicht gab es auf den anschließenden Finalplätzen: Weder das derzeit mit Platz 12 in der Weltrangliste führende Paar der deutschen Riege, die DP-Sieger Thomas und Annette Kreuels (Platz 5 in Dresden), noch das lange Zeit in der Weltrangliste am weitesten vorn platzierte deutsche Paar, Marius und Barbara Torka (Platz 6 in Dresden), sondern die Thüringer Dieter und Elke Müller erzielten mit Platz 3 das beste deutsche Ergebnis bei den Saxonian Dance Classics 2019.

 

Auch wenn die Turniere nicht für all unsere Paare optimal gelaufen waren, wurde danach noch gemeinsam der Abend genossen.

Beste Stimmung im Weinkeller

Im Sophienkeller gab es neben einem guten Essen auch einen guten Tropfen, und so störten die Regentropfen auf dem Heimweg, der an der Semper-Oper vorbeiführte, nicht.

I’m singing in the rain

Semperoper bei Nacht

Fotos: privat

 

Ergebnisse:

https://www.saxoniandanceclassics.de/index.php/2019/11/04/10-saxonian-dance-classics-2019/