04.11.2018 Usti nad Labem WDSF

WDSF-Weltranglistenturniere in Ústí nad Labem (Tschechien)

Tanz an der Elbe mit TSC-Beteiligung

Ein Jahr vor dem großen 50. Jubiläum fanden im tschechischen Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) im Rahmen der „Labe Dance Open“ zahlreiche WDSF-Turniere für fast alle Altersklassen statt.

 

Nach einem Jahr gesundheits- und verletzungsbedingter Abstinenz von Weltranglistenturnieren wollten Birgit und Marcel Erné sich wieder einmal auf internationales Parkett wagen. Die Fahrt führte aus dem sonnigen Deutschland

Strahlende Sonne und leuchtende Herbstfarben

ins nebelverhangene Tschechien, wo sich die Beiden in dem hübschen, auf einer Anhöhe über Ústí nad Labem gelegenen Schloss Vetruve

mit weitem Blick über das Elbtal einquartierten.

Direkt vor den Toren des Schlosses führt eine Seilbahn in das Einkaufszentrum der City hinab, wovon unsere Beiden gleich nach Ankunft Gebrauch machten.

Blick aus der Talstation auf Schloss Vetruve

 

Wie sich beim Abendessen herausstellte, hatten auch Helmut Bresch und Angelika Nothdurft ebenso wie Bernd und Birgit Grzelachowski das gleiche Domizil gewählt – mit guten Erfahrungen aus vergangenen Jahren.

Fröhliche Runde am Vorabend im Schlossrestaurant

 

Mit dem leicht selbst-ironischen Spruch

…we are not the best, but why not be better than the rest…

warben die Veranstalter des Elbtanzfestivals für regen Zuspruch – und so kamen tatsächlich Tanzsportler aus fast allen europäischen Ländern, vorwiegend allerdings aus Osteuropa, in die Stadt an der Elbe mit rund 100 000 Einwohnern.

Plakat der Veranstalter

Zweifellos gaben sich die Organisatoren einige Mühe, in langer Tradition ein ansprechendes Tanzspektakel anzubieten, doch nicht alles verlief zur vollen Zufriedenheit der Gäste. Zum Beispiel hätte man sich bei einem solchen internationalen Event gewünscht, dass von der ausschließlich tschechisch sprechenden Turnierleitung gelegentlich auch einmal ein paar Worte auf Englisch an die Tänzer gerichtet worden wären.

Ziemlich nervenaufreibend wurde empfunden, dass selbst am Tage des Turniers immer noch kein Zeitplan auf den einschlägigen Websites eingestellt worden war. Nach gründlicher Durchforstung aller Seiten (von denen einige noch die Einträge von 2017 oder sogar 2016 enthielten) konnte man immerhin ein Zeitfenster für den Check-in entdecken und fand zum Beispiel für das Einchecken zum Turnier der Senioren IV am Sonntag als Zeitraum 7.00 bis 16.30 angegeben. Dass das Turnier dann auf 15.50 (!) angesetzt wurde, erzeugte einige Verwirrung bis Panik – eine Anmeldung 40 Minuten nach Turnierbeginn kann ja wohl nicht funktionieren. Auf den Protest einiger Paare hin wurde der Startbeginn wieder um eine Stunde nach hinten versetzt. Allerdings war das noch lange nicht das letzte Wort – die Startzeit für dieses wie auch für etliche andere Turniere wurde im Laufe des Tages noch oftmals hin und her geschoben.

Wenig einladende Gegend rund um das Sportcenter

Trotz Eingabe der im Internet mitgeteilten Adresse samt Straße und Hausnummer war auch das modernste Navigationssystem nicht in der Lage gewesen, die richtige Stelle auszumachen. Die freudige Verheißung: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ sollte sich stark relativieren, denn nach einer halbstündigen Suche einschließlich Befragung von diversen Ortsansässigen gelangte man endlich zwei Kilometer von der angegebenen Stelle entfernt zum SLUNETA Sportcenter. Doch damit war die Odyssee noch lange nicht zu Ende, denn in dieser heruntergekommenen Ecke der Stadt einen Parkplatz zu finden, erwies sich als fast hoffnungsloses Unterfangen. Schließlich gelang es Birgit und Marcel, in einer Distanz von mehreren hundert Metern zum Sportcenter eine Parklücke zu ergattern.

Im Inneren der sparsam, aber recht ansprechend ausgeschmückten riesigen Sporthalle herrschte jedoch eine positive Atmosphäre. Das große, ursprünglich mit 14 x 20 m angegebene ausgezeichnete Tanzparkett war zugunsten mehrerer Tischreihen auf eine fast quadratische Fläche reduziert worden. Doch die Tische blieben so gut wie leer, denn den ganzen Tag über hielten sich die Zuschauerzahlen, wohlwollend ausgedrückt, in sehr bescheidenen Grenzen. Trotzdem applaudierte das anwesende Publikum lautstark und begeistert.

Die Senioren I mussten schon am frühen Morgen vor nahezu leeren Rängen ran. Dennoch tanzten die Paare mit so erfrischender Spritzigkeit, dass hier nichts an „Seniorentanz“ erinnerte. Das Finale war fest in tschechisch-slowakischer Hand.

Die drei besten Paare der Senioren I

Siegerehrung Senioren I

 

Danach füllte zum ersten Mal an diesem Tag die Tanzsportjugend die Fläche.

Perfekte optische und akustische Hightech-Begleitung

 

In zügigem Wechsel folgte das Turnier der Senioren III mit 24 Paaren.

Sich im Getümmel mit je 11 weiteren Paaren gemeinsam auf der Fläche physisch und optisch durchzusetzen war keine leichte Aufgabe.

Trotz diverser Störungen gelangen Angelika und Helmut ansprechende Passagen.

Angelika und Helmut suchen die Lücke

Leider schafften sie ebenso wie die weiteren beteiligten niedersächsischen Paare nicht den Sprung ins Semifinale.

Die Treppchenplätze in diesem Turnier waren wieder für Paare aus der Slowakei und Tschechien reserviert. Als bestes deutsches Paar kamen Hans-Jürgen und Astrid Gallo auf Platz 4. Ebenfalls im Finale dabei waren Marius und Barbara Torka auf Platz 6, die später auch noch das Turnier der Senioren IV tanzten und so ein sehr konditionsforderndes Programm absolvierten.

Doppelt erfolgreich: Barbara und Marius

 

Dann wurde dem Publikum von den Tanzpaaren der Hauptklasse ein besonderer Augenschmaus geboten.

 

In wiederum flottem Wechsel waren danach 30 Paare der Senioren II S an der Reihe. Corina Städtler und Philipp Vana aus unserer Trainingsgemeinschaft tanzten sich hier bis auf Platz 14 vor und schnupperten damit schon wieder einmal am Semifinale – ein tolles Ergebnis!

Höhenflug für Corina und Philipp

Foto: Archiv

Im Finale dieses Turniers standen Peter und Miriam Pfeiffer von der Braunschweig Dance Company sechs Paaren aus der Tschechoslowakischen Domäne gegenüber

– und siegten souverän mit einer überlegenen Leistung.

Bravo, Miriam und Peter!

 

Dann hatte auch das Warten auf das Turnier der Senioren IV ein Ende …

längst startbereit …

Fotos: Marcel Erné

und Birgit konnte mit Marcel endlich loslegen. Bei ihren letzten fünf Teilnahmen an WDSF-Turnieren hatten sie immer im Finale gestanden, und es bestand eine realistische Chance, dies trotz langer Pause erneut zu schaffen, denn es waren nur 15 Paare am Start – darunter allerdings das beste niederländische Paar, zwei der drei besten deutschen Paare und das zweitbeste tschechische Paar der Weltrangliste.

Unsere Beiden hatten sich gut vorbereitet, und eigentlich hatten sie das Gefühl, bei diesem internationalen Neustart viele der in letzter Zeit erlernten und antrainierten Feinheiten umsetzen zu können.

Torsion und Diagonalen: Marcel und Birgit

Foto: privat

Doch leider gab es nach wenigen Tänzen ein böses Missgeschick: Die Paare mussten nach jedem Tanz die Halle durch einen engen und düsteren Ausgang verlassen, und in diesem Bereich waren die großen Elektrokabel am Boden verlegt worden. So kam es, dass Birgit über eine schwer wahrnehmbare schwarze Schwelle stolperte und sich den Fuß verrenkte. Da half auch eine große Portion Eis-Spray nicht allzu viel. Dennoch biss sie tapfer die Zähne zusammen, und beinahe hätte es tatsächlich zum Finale gereicht. Mit 18 Kreuzen kam unterm Strich Platz 8-9 heraus. Dabei hatten die Mitglieder der Jury offenbar eine gänzlich unterschiedliche Sicht der Dinge: Während zum Beispiel die Vertreter Italiens und Ungarns unser Paar in allen Tänzen im Finale sahen, gab es aus Malta und Montenegro kein Kreuzchen für die Endrunde. Vielleicht klappt es das nächste Mal mit etwas weniger Pech ja besser…

In einer knappen Entscheidung siegten Jaap und Marianne Willemstein aus den Niederlanden vor Marius und Barbara Torka aus dem an Tschechien angrenzenden Bundesland Sachsen. Die WDSF-erprobten Berliner Wolfgang Drewitz und Eva-Mary Kohn kamen auf Platz 3.

Am nächsten Morgen verflog allmählich nicht nur die Enttäuschung, sondern auch der Nebel –

Burg Schreckenstein taucht aus dem Nebel auf

und unsere WDSF-Globetrotter verabschiedeten sich von einem nun endlich sonnigen Ústí nad Labem,

um alsbald wieder im November-Nebel zu versinken – diesmal allerdings in Deutschland.

 Fotos: Marcel Erné

Link:

http://www.mtf-usti.cz/en/

Ergebnisse:

https://www.worlddancesport.org/