09.12.2017 Dubai WDSF

Tanzen bei den Scheichs in Dubai

First Dance Open Championship

Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr ein großes Tanzsport-Spektakel in den immer moderner werdenden Vereinigten Arabischen Emiraten.

Header des Veranstalters

Austragungsort war das JW Marriott Dubai, ein Hotel der oberen Kategorie in der Nähe des riesigen internationalen Airports Dubai, weshalb der schöne Dachterrassenpool des Hotels leider genau in der geräuschintensiven Einflugschneise lag.

Tag und Nacht Flüge im Minutentakt

Etwas problematisch war auch die große Distanz zum turbulenten Hafen

… und der atemberaubenden Wolkenkratzerkulisse der City.

Skyline von Dubai

Man muss schon mehr Glück als Verstand haben, will man in dieser Großstadt stundenlange Staus vermeiden, und auch die Metro ist zeitweise zum Bersten überfüllt. So weltführend sich die modernste aller Metropolen architektonisch präsentiert, verkehrstechnisch müssen hier schleunigst Problemlösungen gefunden werden!

Nächtlicher Anflug auf ein Lichtermeer

Zu den Dance Open Championships waren weit über 400 Paare aus mehr als 30 Nationen gemeldet – allerdings kamen rund drei Viertel aller Teilnehmer aus Russland – wie auch die namhaften Veranstalter, Igor Gutovsky und Larisa Davydova.

 

Ankunft im Marriott

Bei den etwa 50 verschiedenen Wettbewerben war die Jugend meist unter sich – Seniorenpaare bildeten eine fast verschwindende Minderheit.

Zu dieser Minderheit gehörten Birgit und Marcel Erné aus unserem Club, die ihrer Sammlung internationaler Tanzsportabenteuer eines aus 1001 Nacht hinzufügen wollten – auch wenn der Aufenthalt nur drei Tage und Nächte dauern sollte.

Begrüßung durch Santa Claus bei den Scheichs

Imposante Dekoration vor der Ballroom Hall

Turnierleitung in schillerndem Ambiente

Der prachtvolle Tanzsaal bildete einen edlen Rahmen für die Turniere. Leider war die Akustik jedoch so miserabel, dass man trotz oder wegen der ohrenbetäubenden Lautstärke kein Wort verstehen konnte.

Das staatliche Fernsehen war bei allen Wettbewerben zugegen.

In einem Nebenraum überbot sich eine Schar von Hairstylistinnen gegenseitig in der optischen Präparation des jugendlichen Outfits.

Auf der Fläche fiel dann allerdings auf, dass fast sämtliche jungen Tänzer die gleiche Stromlinienfrisur trugen.

Der Umkleide- und Aufwärmraum bot einen Luxus, den man von internationalen Turnieren keineswegs gewöhnt ist.

Bevor die ersten Senioren die Tanzfläche betreten konnten, mussten rund zwei Dutzend Jugendturniere abgewickelt werden.

Aufmerksame Beobachtung der Konkurrenz

Bei der „reiferen Jugend“ sah man tänzerische Bewegung schon in nahezu perfekter Ausführung.

Der Turnierablauf war zunächst minutiös geplant und das Turnier der Senioren IV S auf  genau 13 Uhr 42 angesetzt. Doch mit der Realität hatte diese Präzision rein gar nichts zu tun. So vergingen Stunden um Stunden bis zum tatsächlichen Start.

Drei Tanzsportgenerationen warten auf das Ungewisse

Mit gegenseitigem Erfahrungsaustausch versuchte man die Zeit zu überbrücken.

Drei Gäste aus Hannover im Gespräch: Ralf, Helga und Birgit

 

Als Motivation und Konzentration sich dem Tiefpunkt näherten, wurde mit mehreren Stunden Verspätung endlich zum WDSF-Turnier der Senioren IV aufgerufen. Inzwischen war die Fläche von den Lateinturnieren mit Perlen, Pailletten und sonstigem „Zierrat“ so übersät, dass Rutschpartien unvermeidlich wurden. Doch es sollte noch weitere unfreiwillige Pausen geben (in denen eine Parkettsäuberung nicht geschadet hätte). Viele Minuten verstrichen, weil die zwei Tage vor dem Turnier nachgemeldeten italienischen Weltmeister Ceruti/Cappello trotz mehrfachen Aufrufs zum Finale nicht erschienen. So blieben fünf Paare aus vier Nationen.

Genervt durch die endlose Warterei, kamen Birgit und Marcel im ersten Finaltanz durch ein Ausweichmanöver bereits nach wenigen Takten kurz außer Tritt, und schon war trotz aller gründlichen Vorbereitung der Fehlstart perfekt.

Kurz darauf gab es die nächste unvorhergesehene zehnminütige Pause – einige Digis streikten wieder einmal. Dann wurde endlich der Startschuss zum Tango gegeben, den, wie die spätere Tabelle zeigte, Birgit und Marcel klar für sich entscheiden konnten. Offenbar um etwas Zeit gut zu machen, wurden die letzten vier Tänze ohne Pause und sogar ohne Vorstellung der Finalpaare oder wenigstens der beteiligten Nationen durchgepeitscht.

Im Wiener Walzer fehlte unserem Paar eine einzige 1 oder 2 zum Gewinn dieses Tanzes. Und dann leisteten sich die beiden Ahnungslosen einen Faux Pas, der sie möglicherweise den Turniersieg kostete und mit entsprechenden Wertungen unerbittlich bestraft wurde: Ärztlicher Weisung folgend, hatten sie zwischen Wiener Walzer und Slow Fox einen Schluck Wasser am Rand der Fläche zu sich genommen! Das war bei diesem Event nahe der Wüste anscheinend verpönt, denn bei der Abendveranstaltung wurde ein Paar öffentlich per Durchsage gerügt, weil es sich während des Finales kurz an den Parkettrand begeben hatte. Man lernt nie aus!

Wie auch immer – das Turnier der Senioren IV S endete in einer hauchdünnen Entscheidung mit Platz 1 für Piet und Trea de Roos aus den Niederlanden, Platz 2 für Stefano Donati und Laura Santini aus Italien, und Platz 3 für Birgit und Marcel Erné aus Deutschland. Nur zwei weitere der insgesamt zu vergebenden 55 Zweien hätten unserem Paar bereits Platz 2 gebracht, drei davon sogar den Sieg – so knapp lagen die drei ersten Paare hier beisammen.

Kopf hoch – es war eine prima Leistung!

 

Siegerehrung WDSF Open Senior IV

Erfreulicherweise gab es den Pokal mit einem prächtigen Glaskristall in der gleichen Größe und Ausführung für alle Medaillenplätze.

Damit haben Birgit und Marcel in allen drei internationalen WDSF-Turnieren, die sie 2017 bestritten, einen der ersten drei Plätze erkämpft – ein erstaunliches Tripel!

 

Die abendliche Gala wurde durch einen in Weiß gekleideten hohen Funktionär aus den Vereinigten Arabischen Emiraten eröffnet,

der die für diesen Teil der Erde nicht untypische Ansage machte, er hoffe, die Dubai Open Championships würden sich in Zukunft zum größten Tanzsportevent der Welt entwickeln. Dazu fehlt noch Einiges  – aber ein Anfang ist gemacht.

 

Nun konnten unsere Beiden entspannt den Paaren der Hauptklasse das Feld überlassen.

Gaumenfreude und Augenweide!

 

Die restlichen zwei Tage in Dubai waren ausgiebigen Rundtouren durch diese faszinierende Weltmetropole gewidmet.

Tanzvorführung anderer Art in der Mall of Emirates

 

Moschee der Königsfamilie

 

Am Fuße des berühmten Burj Al Arab

Und es geht noch höher hinauf:

Der Burj Al Khalifa ist mit 828 Metern das höchste Bauwerk der Welt. Wir erinnern uns: Der Turmbau zu Babel fand fünf Jahrtausende früher statt – nicht weit von Dubai. Wollen wir hoffen, dass die Erbauer des neuen Turms kein ähnliches Schicksal ereilt wie einst die Babylonier!

Fotos: Erné

Links:

http://tanzsport.de/
http://worlddancesport.org/

 

Eine Dreijahresbilanz der Sonderklasse

 

Leider hatte die Unterkühlung auf polare Temperaturen beim Rückflug aus Dubai unvermeidliche Folgen in Form einer schweren Erkältung, so dass der letzte geplante Turnierstart im Jahr 2017 ersatzlos gestrichen werden musste.

Trotz aller gesundheitlichen und verletzungsbedingten Rückschläge in den letzten drei Jahren haben Birgit und Marcel sich immer wieder aufgerappelt. Der Lohn ist eine sehenswerte Dreijahresbilanz: Mit Ausnahme zweier Deutschlandpokale und einiger Weltranglistenturniere endeten alle Starts auf Turnieren erster Ordnung in den Jahren 2015 -2017 mit einem Treppchenplatz. In dieser Zeit sammelten Birgit und Marcel insgesamt 46 erste Plätze, so viele wie kein anderes deutsches Paar der Klasse Senioren IV S. Nimmt man die zwei letzten Turniere des Jahres 2014 und die zwei Seriensiege in der Leistungsstarken 66  hinzu, so ergibt das genau 50 erste Plätze – die magische Zahl für die goldene Ehrennadel des DTV, die unser Paar allerdings schon vor dieser Zeit erworben hatte. Hinzu kamen in den letzten drei Jahren weitere 20 Podestplätze, einer davon beim Deutschlandpokal sowie etliche bei Weltranglistenturnieren und der Serie L 66.

Dass sich dieser Höhenflug im neuen Jahr angesichts des Ansturms der jüngeren Generation nicht ungebremst fortsetzen lassen wird, ist den beiden erfolgreichen, aber selbstkritisch gebliebenen S-Tänzern bewusst – und so gestaltet sich der Wunsch an die Zukunft moderat: dass die Konstitution es zulassen möge, noch ein Weilchen im Tanzzirkus mit zu rotieren.

 

Allen Mitgliedern unserer Clubgemeinschaft
und den Lesern unserer News wünschen wir