30.11.2025 Gliwice WDSF
WDSF Gliwice Open Festival
Marcel Erné und Birgit Suhr-Erné auf dem zweithöchsten Treppchen
Zum Ende der Saison 2025 gab es im polnischen Gliwice (Gleiwitz) noch einmal die Gelegenheit, kräftig Weltranglistenpunkte zu sammeln. Diese Chance wollten sich Marcel und Birgit nicht entgehen lassen, obwohl sie in den vorausgegangenen vier Wochen verletzungsbedingt fast völlig ohne Training auskommen mussten. Aber die Stadt in der oberschlesischen Heimat von Birgits Mutter übte doch eine magische Anziehungskraft aus, und so entschlossen sie sich, am 29. November per Bahn die gut achtstündige Reise in den Osten anzutreten.
Wie üblich begann die lange Fahrt erst einmal mit einer mehrfach verlängerten Verspätung, die trotz großzügiger Planung der Pufferzeiten den Anschluss in Ostberlin in Gefahr brachte. Doch schließlich rollte der Zug vorbei an hunderten von Graffiti-besprühten Wänden
und prunkvollen Kulturpalästen
im Hauptbahnhof Berlin ein …
und landete nach einer weiteren halbstündigen Fahrt im Schneckentempo von West nach Ost
endlich im Berliner Ostbahnhof, wo gottlob der Anschlusszug nach Polen noch erreicht wurde, da auch dieser gehörige Verspätung hatte. Nach beinahe sieben Stunden in einem auf den Gängen ebenso wie im Abteil total überfüllten Waggon fuhr man bei Nacht und Nebel auf dem gespenstisch menschenleeren Bahnhof Gliwice ein.
Auf dem nicht allzu langen Fußweg zum Hotel Diament, dem gerühmten ehemaligen Schlesischen Hof, hatte sich auch die Innenstadt in Nebel gehüllt, und es war schon winterlich bitter kalt.

Die beiden Tanz-Globetrotter hatten es geschafft und konnten todmüde zwischen zipfelmützenbewehrten antiken Nikoläusen einchecken.
Nach einer Auffüllung des Flüssigkeitspegels und des Kalorienspeichers im altehrwürdigen Restaurantkeller
ging es schnurstracks ins Bett, denn ein langer und abenteuerlicher Sonntag stand bevor.
Nach dem Frühstück zum ersten Advent bestaunten Birgit und Marcel auf einem Spaziergang durch die Stadt die prächtigen Bauten aus der Gründerzeit.

Besonders gut gefiel ihnen der Brunnen mit den drei Faunen, die schon einmal tänzerische Vorgefühle weckten.

Der Weihnachtsmarkt präsentierte sich zu vormittäglicher Stunde noch ziemlich menschenleer, aber dennoch sehr dekorativ.
Das nostalgische kleine „Riesenrad“ hatte es den beiden einsamen Besuchern angetan.
Aber auch mit den überdimensionalen schlesischen Nussknackern schloss man Freundschaft.


Erst am Nachmittag ging es dann zu der Turnierstätte, der
Man musste allerdings erst einmal um den riesigen Gebäudekomplex herumwandern, um zu der innen dramatisch beleuchteten Sporthalle zu gelangen, in der die Tanzsportler ihr Festival feierten.
Hier tummelten sich seit Stunden die jugendlichen Tänzer und Tänzerinnen und zeigten ihr Können in der lateinamerikanischen Sektion.
Danach war die ältere Generation mit den Standardtänzen an der Reihe.

Auch für Birgit und Marcel wurde es nun Zeit, sich startklar zu machen.
Fotos: Marcel Erné
Erstaunen, als statt dem bis dahin für die WDSF Open Senior V gemeldeten Paar aus Italien, das Birgit und Marcel in Skopje deutlich hinter sich gelassen hatten, der Name der Belgischen Meister Jean-Louis Morel und Monique Deghaye auf dem Bildschirm erschien.
Fotos: Birgit Suhr-Erné
Leider traten schließlich nur drei Paare aus drei Nationen bei den Senioren V an. Der Vorteil: Viel Platz auf der Riesenfläche, so dass Birgit und Marcel gute Entfaltungsmöglichkeiten hatten und diese auch überzeugend nutzten.
Sie konnten den Favoriten aus Belgien zwar 10 Einsen abnehmen, aber im Gesamtergebnis wurde es Platz 2. Dafür gab es den schweren Pokal in doppelter Ausführung.
Fotos: privat
Nach den „Oldies“ folgte das Kontrastprogramm der atemberaubenden „Rising Stars“ in der Hauptgruppe Standard.
Und auch danach hatte ein kräfteraubender Tag noch lange kein Ende. Denn nach der nächtlichen Wanderung um die Sportarena herum …


dauerte es noch einmal eine Dreiviertelstunde in eisiger Kälte …
bis nach fünf Anrufen beim Taxi-Callcenter und im Hotel endlich doch noch ein Taxifahrer sich unserer halb erfrorenen Abenteurer erbarmte.
Fotos: Marcel Erné
Der fuhr sie zurück ins Hotel Diament, wollte allerdings erst den Weg zu dem gleichnamigen Hotel im 50 km entfernten Katowice nehmen, wovon man ihn rechtzeitig abbringen konnte. Endlich angekommen hatten unsere beiden natürlich gehörigen Hunger. Der KI-gesteuerte Serviergehilfe auf Rädern brachte alsbald die ersehnten Teller …
und man konnte sich ein letztes Ma(h)l der schlesischen Kochkunst widmen.
Am nächsten Morgen begann der Dezember mit einem Fußmarsch zum Bahnhof.

Und hier war dann wiederum strammes Auf- und Abmarschieren angesagt,
denn die Abfahrt des Zuges wurde in der bekannten Salami-Taktik der Bahnankündigungen alle 10 Minuten ein weiteres Mal verschoben,
bis es eine knappe Stunde später als planmäßig endlich zurück in die Heimat ging.
In der Metropole Berlin wurden die Reisenden dann aber für die überstandenen Strapazen durch einen schönen Sonnenuntergang entschädigt.
Zwei Stunden später fand eine abenteuerliche Reise nach Polen ihr Ende, und man konnte sich zur wohlverdienten Nachtruhe begeben.

Fotos: Marcel Erné und Birgit Suhr-Erné
Es dauerte noch eine Woche, bis die Ergebnisse des Gliwice Open Festivals auf der Website des WDSF endlich als „confirmed“ gekennzeichnet wurden und in die Weltrangliste einflossen. Obwohl Birgit und Marcel erst fünf von sechs internationalen WDSF-Turnieren bestritten haben, die in die Wertung eingehen, sind sie mit ihrem jüngsten Resultat auf Platz 29 der Weltrangliste vorgerückt und damit aktuell zweitbestes deutsches Paar in diesem World Ranking. Ein gelungener Abschluss des internationalen Tanzsportjahres 2025!











































