15.07.2018 Nagano WM/WDSF

Weltmeisterschaft Senioren IV und

WDSF-Ranglistenturnier in Nagano (Japan)

mit zwei erfolgreichen Paaren des TSC

 

Reizvolles Plakat des Veranstalters

… und Austragungsstätte „Der Weiße Ring“

 

Zum ersten Mal fanden die Weltmeisterschaften der Senioren IV im Land der aufgehenden Sonne statt. Touristisch und kulturhistorisch sicher keine schlechte Wahl –

Japanischer Würdenträger und Geisha

Der 1400 Jahre alte Zenko-ji Tempel in Nagano

aber wie sich zeigen sollte, war die Stadt Nagano doch zu weit entfernt von Europa, als dass sich die Mehrzahl der dort beheimateten Spitzentänzer zu einer solch weiten und entsprechend teuren Reise aufgerafft hätte.

Aus unserem Club hatten sich Werner Schlamm-Dedekind und Marion Dedekind entschlossen, zusammen mit Helmut und Anne Roland die lange Flugreise in den fernen Osten zu wagen und noch einige kulturell vollgepackte Urlaubstage um die Tanzturniere herum zu garnieren.

Leider haben einige Koffer bei diesem abenteuerlichen Unternehmen die Kurve nicht gekriegt und blieben in Paris hängen, so dass Helmut und Anne bei ihrer Ankunft nichts zur Hand hatten als ihre Turnierklamotten (die Tänzer mittlerweile, durch böse Erfahrungen vorgewarnt, meist als Handgepäck mitnehmen – bei den voluminösen Turnierkleidern keine ganz einfache Sache).

Gepäckloser Abend in Nagano:
Helmut und Anne

Es dauerte fast zwei volle Tage, bis das restliche Gepäck auf drängende Nachfragen hin endlich am Donnerstagabend vor Ort eintraf.

Immerhin gut beschirmt:
Anne und Marion

Der krasse Wechsel zwischen den schwül-feuchten Außenbedingungen und den unterkühlenden Klimaanlagen in den Räumen bereitete den Ankömmlingen einige Anpassungsschwierigkeiten.

Außen heiß, innen Eis
Werner und Helmut

Anstrengend gestaltete sich auch der Einlass ins Wettkampfgebäude am Samstag: Der Bus war pünktlich um 7 Uhr morgens vom Hotel abgefahren und kam bereits um 7:15 vor der Halle an – doch der Eingang wurde erst um 8 Uhr geöffnet! Entsprechend groß waren das Getümmel und der Andrang vor dem „Weißen Ring“. Alle Ankömmlinge durften eine Dreiviertelstunde lang frühe Hitzegrade von rund 30 Grad in praller Sonne genießen. Super!

Dann wurde endlich Einlass in die riesige Halle gewährt – doch durfte diese nur mit weichen Puschen betreten werden!

Hans-Wolfgang Scheuer in Protesthaltung

Fotos: Helmut Roland u.a.

Man stelle sich eine Tanzsportveranstaltung vor, bei der alle Aktiven und Gäste in Pantoffeln herumrennen… Nach großzügiger Genehmigung waren Tanzschuhe auf dem Parkett ausnahmsweise erlaubt. Doch die Turnierschuhe der Damen mussten rigoros mit Absatzschonern aus Leder (!) aus- bzw. umgerüstet werden. Dies wurde peinlich genau durch mehrere Kontrollen im Saal überprüft.

Innenansicht der Halle

Foto: http://nagano.jdsf.or.jp/2018senior4/index.html

Dennoch konnten schließlich die minutiös auf 9:11 angesetzten ersten Runden der Weltmeisterschaft vor den kritischen Augen der neun Wertungsrichter aus ebenso vielen Ländern beginnen. Insgesamt traten 116 Paare aus 13 Nationen an. Ein genauerer Blick auf die Startliste zeigte allerdings, dass es sich eher um eine japanische Meisterschaft mit einer Minorität internationaler Gastbeteiligung handelte: Fast zwei Drittel aller Paare kamen aus dem Gastgeberland. Das zweithöchste Kontingent stellte erwartungsgemäß die weltweit führende Tanzsportnation Italien, jedoch mit nur 11 Paaren – in Anbetracht der Tatsache, dass  30 der 50 bestplatzierten Paare der WDSF-Weltrangliste, davon 10 auf den ersten 11 Plätzen, Bella Italia ihr Heimatland nennen dürfen, konnte man in Nagano nicht gerade von einer repräsentativen italienischen Mannschaft sprechen. Das drittgrößte nationale Team startete mit sechs Paaren unter spanischer Flagge, Deutschland und Österreich waren mit je fünf Paaren vertreten, und alle anderen beteiligten Nationen stellten noch kleinere Teams. Und auch innerhalb der deutschen Truppe gab es einen deutlichen Schwerpunkt: Drei der fünf Paare kamen aus Hannover, zwei davon aus unserem Club.

Das deutsche Team in Nagano:
Anne und Helmut Roland, Marion und Werner Schlamm-Dedekind,
Angelika und Hans-Wolfgang Scheuer, Helga Kruse und Ralf Pick, Irene und Klaus Kast

Erinnert man sich an das eine Woche zuvor abgelaufene WDSF-Turnier bei der danceComp 2018 in Wuppertal mit 41 deutschen von insgesamt 52 teilnehmenden Paaren, so steht die Frage im Raum, ob die Weltmeisterschaft der Senioren IV in Fernost dem Anspruch einer weltweit ausgewogenen Teilnehmerschaft gerecht werden konnte.

Vor fast leeren Tribünen 15 Nationalflaggen in Reih und Glied –
auf der Fläche allerdings nur Tänzer des Gastgeberlandes

Runden mit vorwiegend europäischer Besetzung hatten eher Seltenheitswert

… und doch brachte das Los gelegentlich beide Paare des TSC gemeinsam auf die Fläche

Das sich über fast 12 Stunden hinziehende WM-Turnier wurde in jeder Hinsicht zu einer Konditionsprobe. Es gab in der Halle den ganzen Tag über weder Wasser noch irgendetwas Essbares zu kaufen. Glücklich, wer ein Lunchpaket gebucht hatte. Das enthielt immerhin eine Flasche Wasser und ein paar Stullen.Trotz aller Hindernisse schlugen sich unsere beiden TSC-Matadoren mit ihren Damen inmitten einer zahlenmäßigen Übermacht aus Fernost ausgezeichnet.

Beide Paare qualifizierten sich direkt für die zweite Runde und mussten nicht über das gefürchtete Redance gehen. Zwischen diesem und der zweiten Runde wurde am frühen Nachmittag die feierliche Eröffnungszeremonie eingeschoben. Hier einige bildliche Impressionen aus dem Video von Helmut Roland:

Wirkungsvolle Spotlights in der dunklen Halle

Die Jugend trägt mit Schwung die Banner herein

Einmarsch der deutschen Delegation

Auch eine Geisha darf nicht fehlen

Andächtig lauschen alle den Eröffnungsworten – sogar das Maskottchen

Fremdartige Kostüme und Gesänge

Fair-Play-Vereidigung der Aktiven

 

In der zweiten Runde ging es dann schon richtig zur Sache – und unsere beiden Paare legten mit voller Karaft voraus los.

Anne und Helmut auf der WM

Marion und Werner auf der WM

Mit Platz 56 schafften Werner und Marion klar den Cut, und mit ein wenig mehr Glück hätte es leicht auch noch in die nächste Runde gehen können. Diese erreichten höchst erfreut ihre Clubkameraden: Helmut als WDSF-Beauftragter und Anne als langjährige S-Tänzerin und Trainerin warfen ihre ganze internationale Erfahrung in die Waagschale und konnten sich sogar bis nahe an das Viertelfinale heran kämpfen.

Am Ende war der mit Klaus und Irene Kast geteilte Platz 32–34 ein tolles und hoch zufriedenstellendes Ergebnis. Gratulation zu diesem großen internationalen Erfolg!

In dieser dritten Runde vertrat immer noch fast die Hälfte der beteiligten Tänzer das Gastgeberland Japan.

Viele zeigten spektakuläres Tanzen in bezauberndem Outfit – und mussten doch die nächste Runde anderen überlassen.

Der Sprung ins Viertelfinale gelang nur einem der fünf deutschen Paare: Angelika und Hans-Wolfgang Scheuer erreichten Platz 23. Immer noch tanzte mehr als ein Drittel der verbliebenen Paare für Japan, doch standen ihnen mittlerweile fast ebenso viele italienische Paare gegenüber; und ähnlich sah es im Semifinale aus.

Das Finale geriet dann mit Ausnahme eines Paares zu einer rein italienischen Angelegenheit. Neue Weltmeister wurden Renato Sibillo und Anna Cartini, schon bei den Senioren III international sehr erfolgreich.

Die neuen Weltmeister: Renato Sibillo und Anna Cartini

Die Senioren-IV-Weltmeister der vergangenen Jahre, Luciano Ceruti und Rosa Nuccia Cappello, mussten sich in diesem Jahr mit dem Titel des Vizeweltmeisters begnügen. Auf den weiteren Rängen: Vittorio Guida / Fortuna Canta („Sieger führe, Glück singe!“), Alfredo Anselmi / Anna-Maria Pietrobelli (Sieger bei der danceComp), Duilio Castelli / Paola Patrizi (Dritte der Weltrangliste).

Siegerehrung Weltmeisterschaft Senioren IV

Bilder aus den Videos von Helmut Roland
Bearbeitung: Marcel Erné

 

 

Videos von der WM:

18-07 WDSF World Championship Senior IV Standard – Nagano / Japan

 

Ergebnisse:
https://www.worlddancesport.org/Event/Competition/World_Championship-Nagano-21332/Senior_IV-Standard-51438/Ranking

 

Einen Tag später gab es als „Nachschlag“ noch ein WDSF-Weltranglistenturnier für die Senioren IV. Auch wenn hier mit den fünf italienischen Finalpaaren die Spitze der Weltmeisterschaft fehlte und nur die Hälfte der besten 40 Paare noch einmal antrat, war das Feld mit 68 Paaren immer noch quantitativ wie qualitativ sehr stark besetzt. Auch diesmal war das Gastgeberland nahezu mit einer Zweidrittelmehrheit vertreten.

Vier der fünf deutschen Paare traten noch einmal an. Runde um Runde kämpften sich unsere beiden TSC-Vertreter weiter nach vorn…

und schließlich landeten sie im 15-paarigen Semifinale!

Einmarsch zum ersten Tanz des Semifinales

Seltene Konstellation in Fernost:
Dreimal Deutschland, dreimal Österreich

Hans-Wolfgang und Angelika Scheuer schafften es sogar noch bis auf den Anschlussplatz 7-8 zum Finale.

Zielgerichtet: Angelika und Hans-Wolfgang Scheuer

Den größten Sprung aller 68 teilnehmenden Paare machten jedoch Marion und Werner, die bei der WM mit Platz 56 ein wenig schlecht weggekommen waren und sich nun einen Tag später bis auf  Platz 12 nach vorne tanzten!

Werner und Marion vor den olympischen Ringen

Nur wenig dahinter landeten Anne und Helmut auf Platz 14.

Vom internationalen Flair beschwingt: Anne und Helmut

Zwei herausragende Leistungen und ein phänomenaler internationaler Erfolg unserer beiden Paare!

Im Finale dann ein ungewohntes Bild: dreimal Japan, zweimal Österreich, einmal Italien.

Bikontinentale Formation: Japan – Italien

Gewonnen wurde das WDSF-Turnier von dem einzigen nicht-italienischen Finalpaar der WM, Manfred Kerschner und Monika Kuegler aus Österreich.

Platz 1: Manfred Kerschner und Monika Kuegler

Zweite wurden Akiyoshi und Yuko Okada, die bei der WM den Anschlussplatz ans Finale belegt hatten.

Platz 2: Akiyoshi und Yuko Okada

 

Ergebnisse:

https://www.worlddancesport.org/Event/Competition/Open-Nagano-21539/Senior_IV-Standard-52074/Ranking

Video vom WDSF-Turnier:

18-07 WDSF Open SEN IV | Nagano, Japan

 

Sayonara!

Bilder aus den Videos von Helmut Roland
Bearbeitung: Marcel Erné

Die nächsten beiden Tage waren einer Kurzvisite in Tokio gewidmet. Am Mittwoch dann der Rückflug nach Europa, Ankunft 22 Uhr auf dem Flughafen Hannover. Vermutlich hat es das örtliche Empfangskomitee versäumt, den roten Teppich auszurollen für eine Hannoversche Delegation aus Nagano, die eine deutlich positivere Bilanz vorweisen kann als die deutsche Nationalmannschaft bei der kurz zuvor zu Ende gegangenen Fußball-Weltmeisterschaft.

 

Zukunftsträume sind erlaubt …